Zwischenlager für Abfälle – politisch nicht erwünscht, kaum kontrollierbar und praktisch ein Muss
Kategorie
Datum
19.02.2007
Titel
Zwischenlager für Abfälle – politisch nicht erwünscht, kaum kontrollierbar und praktisch ein Muss
Beschreibung
In einer gemeinsamen Veranstaltung mit der DECHEMA befasste sich die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW e.V.) am 08.02.2007 in Frankfurt mit den Zukunftswegen der Abfallentsorgung. In seinem Beitrag über die Zukunft der biologischen Abfallbehandlung bezeichnete Prof. Gerhard Rettenberger von der FH Trier die derzeit an MBA Anlagen aufgetretenen Probleme als vorübergehend und beherrschbar und für neue technologische Entwicklungen nicht außergewöhnlich. "Elchtesteffekte" seien leider nicht vermeidbar. Auch die Kompostierung sei ein Selbstläufer und habe ihren Stellenwert bei der Humussicherung.

Eine Nutzung der Bioabfälle als Ersatzbrennstoffe sei nicht immer technisch sinnvoll und unter Umweltgesichtspunkten nicht immer die günstigste Alternative.

Dr. Engler vom RP Darmstadt diskutierte vor dem Hintergrund neuerer europarechtlicher Entwicklungen die Frage wie Abfälle zu bewerten sind. Die Abgrenzung zwischen Abfall, Nichtabfall oder Produkt sei im Fluss und bietet in der Praxis häufig Anlass zu Diskussionen. Ebenso wird die neue fünfstufige Abfallhierarchie neues Denken erfordern.



Gewöhnen werde man sich nach der Novelle des Nachweisrechtes auch daran müssen, dass es nunmehr nur noch gefährliche und nicht gefährliche Abfälle gebe. Dr. Wieduwilt von der Infraserv GmbH und Co Höchst KG machte an seinem neu entwickelten System zur elektronischen Nachweisführung deutlich, dass mit solchen Methoden der bürokratische Aufwand zwar deutlich gesenkt und Fehlerquellen ausgeschaltet werden können, die Implementierung jedoch aufgrund der Komplexität der überwachten Abläufe durchaus über ein Jahr erfordern kann. Prof. Neukirchen betonte erneut, dass die Abfallverbrennung ein erprobtes und auf hohem technischem Niveau befindliches Verfahren handelt, so dass auch hier von einer Abfallverwertung zu sprechen sei. Dies begründe sich auch daher, da die Verbrennung von Ersatzbrennstoffen infolge zu hoher schädlicher Anteile (vor allem Chlor) im Abfall schon jetzt erkennbar erhebliche Probleme mit sich brächten. Ob die stoffliche Verwertung dagegen eine sichere Alternative sein kann diskutierte Dr. Sander am Beispiel des Sustec Verwertungs-Zentrums Schwarze Pumpe. Nach entsprechender Entwicklungszeit sei dort ein Verfahren entstanden, das sicher in der Lage sei u. a. Methanol herzustellen. Am Beispiel der Schredderabfälle dargestellt sei zu hoffen, dass solche hochwertigen Verfahren im Rahmen der Entsorgung und der Rohstoffversorgung auch tatsächlich genutzt werden.



Schließlich untersuchte Thomas Obermeier, wie sich die aktuelle Entsorgungslandschaft darstellt. Hierbei stand die Frage nach dem Erfordernis von Zwischenlagerkapazitäten im Mittelpunkt seiner Erörterungen. Trotz Exporten vor allem in skandinavische und osteuropäische Länder können die Abfälle bzw. Sekundärbrennstoffe mit den existierenden Kapazitäten in Deutschland nicht vollständig verarbeitet werden, so dass Zwischenlagerkapazitäten erforderlich sind und auch existieren. Die tatsächlichen Kapazitäten seien öffentlich nicht bekannt, da sie auch teilweise stark zerstreut, bis hin zu einzelnen Containern auf Betriebsgeländen, seien. Verschiedene Szenarien zeigten, dass trotz eines Booms neuer EBS Projekten die Zwischenlager wohl erst nach 2010 bis 2012 verschwunden sein werden. In der Diskussion nannte es Rettenberger eine Illusion zu glauben, man könne auf Zwischenlager verzichten. Bei den Schwankungen im Abfallanfall müsste ansonsten die Kapazitäten in der Spitze über 20 % über dem Durchschnittswert liegen, was aber derzeit aus Kostengründen von niemandem gewollt würde.